Im Prozess gegen den Mörder der Ägypterin Marwa S. (31) wurde am 11.11.2009 in Dresden das Urteil gefällt: lebenslänglich. Der Täter Alex W. (28) stammt aus Russland, ist in der Region Perm und Kasachstan aufgewachsen und hält sich erst seit fünf Jahren in Deutschland auf.
Die beiden Kontrahenten waren im August 2008 auf einem Spielplatz aneinandergeraten, auf dem sich die Frau mit ihrem zwei Jahre alten Sohn und der arbeitslose Angeklagte mit seiner Nichte und Mutter aufhielt. Marwa S. forderte Alex W. auf, eine Schaukel für ihr Kind frei zu machen. Daraufhin beschimpfte der nach eigenen Aussagen ausländerfeindlich eingestellte junge Mann, der das Leben in Deutschland als „Multikultischeiße“ empfindet, die Kopftuch tragende Frau als „Islamistin“ und „Terroristin“.
Passanten mischten sich ein und versuchten, die lautstarke Auseinandersetzung zu schlichten. Die Angelegenheit eskalierte, weil jemand die Polizei rief. Die Ägypterin nutzte die Gelegenheit und erstattete Anzeige wegen Beleidigung. Alex W. erhielt zunächst einen Strafbefehl über 330 Euro und wurde nach seinem Widerspruch vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt. Dagegen legte er Berufung ein.
In der Berufungsverhandlung erstach der Russlanddeutsche dann im Gerichtssaal seine schwangere Kontrahentin mit 15 Messerstichen und verletzte deren Mann schwer. Mit seinem Ausländerhass habe das nichts zu tun gehabt, erklärte er später die Tat. Vielmehr habe er sich durch die Anzeige und die deutsche Justiz ungerecht behandelt und in die Enge getrieben gefühlt.
Der banale Anlass der Auseinandersetzung geriet in der Öffentlichkeit schnell in Vergessenheit. Stattdessen entwickelte sich die Geschichte vor allem in Ägypten zu einem Medienspektakel. Auch deshalb, weil das Opfer als schöne, gebildete und selbstbewusste Mutter dem Idealbild einer fortschrittlichen Muslima entsprach.
In Ägypten wurde das Opfer von Islamisten zur Kopftuch-Märtyrerin hochstilisiert, die für ihre Religion gestorben sei. Die „Muslimbruderschaft“ organisierte in Kairo mehrere Demonstrationen und forderte die Todesstrafe für den Täter. Die Affäre beherrschte am Nil zeitweise die Titelseiten. Dabei wirkte die Presse nicht aufklärend, sondern verbreitete eine anti-deutsche Stimmung. Für die Medien saß Deutschland auf der Anklagebank.
Die Deutschen hingegen fühlten sich als unbeteiligte Dritte: „Was haben wir damit zu tun, wenn ein Russe eine Ägypterin ersticht? Außer dass die Gerichtskosten an uns hängen bleiben?“ In Deutschland wurden die Beleidigung und der Mord nicht als ausländerfeindliche Taten eines Deutschen, sondern als Auseinandersetzung zwischen zwei rechthaberischen Einwanderern wahrgenommen. Das Thema besaß für die deutschen Medien daher nur eine mittlere Bedeutung. Marwa S. sprach weit besser Deutsch als Alex W. und gehörte zu den Gewinnern, Alex W. hingegen zu den Verlierern unter den Einwanderern.
Wie empfindet ein Gerichtsdolmetscher die Situation als Mittler zwischen Kulturen und Rechtssystemen in einem Prozess, der gleich in zwei Ländern im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht? Die Berliner taz hat kurz vor der Urteilsverkündung mit Walid Abd El Gawad (31) gesprochen, der an zwei Verhandlungstagen für den Ehemann des Opfers und einen Anwalt gedolmetscht hat.
Die Verhandlung selbst bezeichnet Abd El Gawad als Prozess auf hohem Niveau, der all seine Erwartungen übertroffen habe: „Es wurde auf jede Kleinigkeit geachtet, zum Beispiel darauf, dass die arabischen Rechtsanwälte genügend Material in ihrer Sprache zur Verfügung hatten.“ Er wünsche sich, dass die Sachlichkeit der deutschen Justiz auch in den arabischen Ländern akzeptiert werde. Die Mehrheit der Deutschen habe mehr Mitgefühl gezeigt als dies in Ägypten wahrgenommen werde.
Das Dolmetschen sei zeitweise emotional schwierig gewesen: „Ich musste mich sehr zusammenreißen, damit ich nicht mitleide - beziehungsweise man mir meine Gefühle nicht ansieht. Ich habe großen Respekt vor den Richtern, die trotz der immensen emotionalen Herausforderungen vollkommen sachlich mit dem Fall umgehen.“
Walid Abd El Gawad studierte Islamwissenschaft und Germanistik in Kairo sowie Arabistik und Orientalische Philologie in Leipzig. Zurzeit ist er Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Orientalischen Instituts der Uni Leipzig.
Im Oktober 2009 wurde er mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ausgezeichnet, bei dieser Gelegenheit entstand das obige Foto. Aus der Laudatio: „Walid Abd El Gawad bereichert mit seinem vorbildlichen sozialen und kulturellen Engagement verschiedene universitäre Initiativen. Herausragendes Engagement zeigte Abd El Gawad bei der Mitarbeit am Hörbuch Der Koran und als wissenschaftlicher Übersetzer. Ehrenamtlich wirkt er unter anderem in der Internationalen Doktorandeninitiative und als ein Repräsentant der Leipziger Muslime im interreligiösen Dialog in Stadt und Universität.“
Das Interview mit Walid Abd El Gawad können Sie auf der Website der taz lesen. Einen Audiobeitrag von Abd El Gawad, in dem es unter anderem auch um den Marwa-Prozess geht, finden Sie auf der Website von radio 1 des rbb.
[Text: Richard Schneider. Quelle: taz, 2009-11-10.]
http://uepo.de/2009/11/12/ein-dolmetscher-darf-fur-niemanden-partei-ergreifen-walid-abd-el-gawad-zum-marwa-prozess
22.10.2009 von Richard Schneider.
Die von der Computerzeitschrift CHIP betriebene Website zehn.de („Die besten Listen“) hat einige Fehlübersetzungen aus Filmdialogen bekannter Hollywood-Klassenschlager zusammengestellt. Die Liste können Sie bei zehn.de aufrufen.
http://uepo.de/category/ubersetzungsfehler/
Die Europäische Kommission hat Nachwuchssorgen: Ein großer Anteil der Dolmetscher geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Vor allem die Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch sind betroffen. Eine breite Übersicht über das Dolmetschen im vielsprachigen Europa bietet Ian Andersen, Berater der Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission.
Das Interview, online zu finden beim Medienpartner der Expolingua "Business Spotlight", wurde in Englisch geführt. Eine Liste mit einigen wichtigen Vokabeln, die im Text vorkommen sowie eine kleiner Audiomitschnitt sorgen ganz nebenbei für einen tollen Lerneffekt.
Zu finden ist der Beitrag unter Business Spotlight: www.business-spotlight.de
11.11.2009
14.11.2009 von Richard Schneider.
Wissenschaftler aus Karlsruhe, Pittsburgh und Silicon Valley haben gemeinsam einen Sprach-zu-Sprach-Übersetzer für das iPhone entwickelt, welcher jetzt über Apple vertrieben wird. Die Anwendung soll gesprochenes Englisch ins Spanische und umgekehrt übersetzen können.
Jibbigo, so der Name der Übersetzungssoftware, läuft auf dem iPhone 3GS und hat ein Vokabular von etwa 40.000 Wörtern. Das Kommunikationssystem ist vor allem für humanitäre Einsätze aber auch für Touristen gedacht. Der Nutzer spricht ein oder zwei Sätze in sein Mobiltelefon und dieses gibt umgehend die Übersetzung per Sprache und Text aus.
“Jibbigo läuft direkt auf dem iPhone und benötigt keinen Zugang zum Internet oder einem Server”, sagt Alex Waibel, Professor für Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh, USA. “Diese Unabhängigkeit ist ein entscheidender Vorteil für Reisende oder Helfer bei humanitären Einsätzen fernab des Einzugsbereichs von Mobilfunkanlagen. Es sind gerade diese Gegenden, in denen es kaum drahtlose Hotspots gibt, wo Jibbigo am nötigsten gebraucht wird”, so Waibel. Für Touristen ein weiterer Vorteil: Es fallen keine teuren Roaming-Gebühren an.
Waibels Forschungsgebiet ist die automatische Sprach-zu-Sprach-Übersetzung. Bereits 1990 entwickelte er den ersten Sprach-zu-Sprach-Übersetzer für Englisch, Deutsch und Japanisch. Er ist Direktor des international center for Advanced Communication Technologies (interACT), einem internationalen Forschungsverbund aus vier führenden Universitäten in diesem Bereich.
“Jibbigo wurde in einer Firmenneugründung von Absolventen der interACT Partner an Standorten in drei Kontinenten in einem internationalen Team rasch entwickelt”, sagt Waibel. “Es zeigt, dass eingespielte internationale Teams zu erstaunlichen Leistungen fähig sind und wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung rasch und effektiv umsetzen können.”
Mehr als 6000 verschiedene Sprachen werden auf der Welt gesprochen. Jibbigo soll dazu beitragen, die Verständigung unter den Menschen ein Stück einfacher und besser zu machen. An weiteren Sprachenpaaren wird mit Hochdruck gearbeitet.
Weitere Informationen unter: www.jibbigo.com
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Aufgaben einer Universität als auch die eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr.
Text: KIT. Quelle: Pressemitteilung, 2009-11-04.
21.10.2009
Bald geht’s los – die Expolingua Berlin startet diesen Freitag, dem 20. November, im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin-Mitte. Bis Sonntag, dem 22. November, können sich Besucher im Rahmen des Messeschwerpunkts „Dolmetschen und Übersetzen“ rund um Sprachberufe informieren. Zum persönlichen Gespräch vor Ort sind unter anderem die Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Union (EU) sowie der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ). Auch das Vortragsprogramm hat Einiges zum Thema zu bieten. Experten erläutern unter anderem Ausbildungswege zum Dolmetscher und Übersetzer sowie Karrieremöglichkeiten. Einen Überblick zu den Beiträgen finden Sie hier (PDF).
Doch nicht nur Sprachberufe sind Thema der Messe. Insgesamt präsentieren sich über 200 Aussteller aus mehr als 30 Ländern und informieren über verschiedene Möglichkeiten des Fremdsprachenlernens und –lehren. Darunter sind Sprachschulen aus dem In- und Ausland, Sprachreiseveranstalter und Austauschorganisationen sowie Botschaften, Kulturinstitute, Fremdenverkehrszentralen und Verlage. Das Vortragsprogramm bietet über 100 Beiträge zu den Themen Sprachenlernen und Auslandsaufenthalte. Fremde Sprachen können direkt in Minisprachkursen getestet werden. Ein Highlight bildet außerdem eine Vortragsreihe speziell zum Sprachenlernen für Vorschulkinder.
Alle Aussteller und Programmpunkte sind im Internet zu finden unter www.expolingua.com
Berlin (ots) - Wegen der großen Nachfrage stellt der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) auch dieses Jahr wieder seine beliebte "Weihnachtsdatenbank" online. Dort steht die Übersetzung der Festtagsgrüße in über 60 Sprachen dieser Welt. Neben der Übersetzung von "Frohe Weihnachten" in den gängigen europäischen Sprachen finden sich dort auch exotischere Weihnachtsgrüße - zum Beispiel in den Sprachen Indonesisch, Nepalesisch oder Kikuyu. Der besondere Clou der Weihnachtsdatenbank ist die Technik dahinter: Weil für viele Sprachen spezielle Schriftsätze nötig sind, stehen die Grüße als fertige Text- beziehungsweise Grafikdatei zum Herunterladen bereit. Die Nutzung ist kostenfrei.
"Unsere Weihnachtsaktion kommt sehr gut an", weiß BDÜ-Präsident Johann J. Amkreutz. Im letzten Jahr habe der Verband Dankesbekundungen von vielen Privatpersonen und Geschäftsleuten erhalten. Amkreutz: "Wir freuen uns, mit dieser Aktion einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten."
All jene, die individuelle Weihnachtsgrüße verschicken möchten, finden auf der BDÜ-Website außerdem die Kontaktdaten von 5.900 Übersetzern für über 80 Sprachen (www.bdue.de).
Über den Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.: Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) vertritt seit über 50 Jahren die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Mit mehr als 6.000 Mitgliedern repräsentiert der BDÜ über 75 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer. Er ist damit der größte Berufsverband für Sprachmittler in Deutschland. Eine BDÜ-Mitgliedschaft steht für Qualität, denn die Anforderungen an die fachliche Qualifikation der Mitglieder sind hoch und werden vor der Aufnahme in den Verband überprüft. Weitere Informationen unter www.bdue.de.
Der Anbieter für globales Informationsmanagement SDL hat die Einführung der SDL Zertifizierung 2009 für SDL Trados® Studio 2009 und SDL MultiTerm® 2009 bekannt gegeben. Bis heute haben sich bereits über 3.000 Benutzer für SDL-Produkte zertifizieren lassen. SDL Schulungskurse bieten umfassende Unterstützung beim Erlangen der neuen Zertifizierung und fördern die weitere Etablierung von SDL Trados Studio 2009 mit inzwischen über 11.000 Benutzern weltweit. Durchgeführt werden diese Seminare von anerkannten Schulungszentren, die SDL in einem umfassenden Netzwerk organisiert hat. Das neue Zertifizierungsprogramm baut auf seinem Vorgänger aus dem Jahr 2007 auf und bietet Übersetzungsexperten die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten in der Anwendung der seit Kurzem erhältlichen Technologien SDL Trados Studio 2009 und SDL MultiTerm 2009 nachzuweisen. Hierbei bestehen unterschiedliche didaktische Schwerpunkte für Übersetzer und Projektmanager. So optimieren beide Benutzergruppen ihre Produktivität mit SDL Übersetzungstools ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen entsprechend. Das neue SDL Zertifizierungsprogramm wurde in direkter Zusammenarbeit mit Teilnehmern an der SDL Zertifizierung sowie zertifizierten SDL Ausbildern entwickelt. Für alle SDL Zertifizierungsprüfungen werden auch entsprechende Schulungen angeboten. Sie unterstützen die Benutzer bei der Verbesserung ihrer Anwendungskenntnisse und bereiten sie optimal auf die Zertifizierungsprüfungen vor. Diese von SDL anerkannten Kurse sind ab sofort über ein globales Netzwerk an Schulungszentren verfügbar, zu dem beispielsweise auch ProZ.com gehört.
Je nach Tätigkeitsbereichen wird die Technologie unterschiedlich genutzt. Gefragt sind Seminarangebote vor Ort. Mit der SDL Zertifizierung 2009 geht SDL präziser auf die Anforderungen ihrer Kunden ein, ferner wurde die Preisstruktur optimiert. Zu den Neuerungen des Zertifizierungsprogramms 2009 gehören:
Weitere Information zum SDL Zertifizierungsprogramm: www.sdl.com/certified Pressemitteilung: SDL vom 12.11.2009 | Mehr lesen »
Die Verabschiedung des Rahmenbeschlusses der Europäischen Union über Recht auf Verdolmetschung bei Vernehmungen und entsprechenden Verteidigergesprächen auf Kosten des Staates verzögert sich erneut. Die Justizminister und -ministerinnen der Europäischen Union hatten sich am 23.10.09 bereits auf Mindeststandards für Beschuldigtenrechte in Strafverfahren und einen entsprechenden Rahmenbeschluss politisch geeinigt. Der Beschuldigte sollte danach eine Übersetzung der wesentlichen Unterlagen, wie z. B. des Haftbefehls, der Anklageschrift und des Urteils erhalten. Den Rahmenbeschluss sollte eine "Entschließung des Rates" begleiten, in der Qualitätsstandards für die Dolmetscher- und Übersetzungsleistungen aufgestellt werden sollten. Mit Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon am 1.12.09 muss das Verfahren nun umgestellt werden, neue Mitspracherechte des Europa-Parlaments sind zu beachten.
09.11.09 | Mehr lesen »
Den Siedlern von Germantown folgten während des 18. Jahrhunderts zehntausende weiterer Einwanderer aus Deutschland. Im Jahre 1790 lebten in den USA rund 277.000 Amerikaner deutscher Abstammung. Etwa 141.000 von ihnen in Pennsylvania, wo sie etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten.
Es gibt eine weit verbreitete Legende, Deutsch wäre beinahe zur offiziellen Landessprache in den USA geworden. Diese Geschichte wurde seit 1840 immer wieder von der deutschen Presse aufgegriffen. Die sogenannte "Mühlenberg Legende" erzählt, dass um 1790 im Parlament des Staates Pennsylvania angeblich darüber abgestimmt wurde, ob Deutsch zur offiziellen Landessprache erklärt werden sollte. Der Sprecher des Parlamentes, ein Deutsch-Amerikaner mit Namen Frederick A. Mühlenberg, soll die entscheidende Stimme für English und gegen Deutsch abgegeben haben. In Wirklichkeit hat eine solche Abstimmung jedoch niemals stattgefunden.
Wahr ist jedoch eine andere Geschichte, die den Kongress der Vereinigten Staaten und eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia betrifft. Die Deutsch-Amerikaner aus Virginia legten am 9. Januar 1794 dem Kongress eine Petition vor, in der sie die Veröffentlichung einiger Gesetze in deutscher Fassung beantragten zur Erleichterung der Einwanderer, die noch kein Englisch gelernt hatten. Der Antrag wurde jedoch vom Hauptausschuß mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt. In dieser historischen Begebenheit dürfte der Ursprung der "Mühlenberg Legende" zu suchen sein.
Deutschsprachige Zeitungen blicken in den USA auf eine lange Tradition zurück. Eine deutsche Zeitung, der "Pennsylvanische Staatsbote" berichtete am 5. Juli 1776 über die Entscheidung des Kontinentalkongresses, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung anzunehmen. Er war damit die erste Zeitung, die diese historische Entscheidung veröffentlichte und den Text in deutscher Übersetzung abdruckte. Für die Mitglieder des Kongresses war am Abend des 4. Juli der englische Text gedruckt worden, aber für die amerikanische Bevölkerung wurde der englische Text erst am 6. Juli von der "Pennsylvania Evening Post" veröffentlicht.
Im 19. Jahrhunderts nahm die deutschsprachige Presse an Bedeutung und Ansehen zu, was zum Entstehen einer Reihe weiterer deutschsprachiger Zeitungen beitrug. Während des Ersten Weltkrieges mussten jedoch viele von ihnen ihr Erscheinen wegen mangelnder Leserschaft einstellen.
Einige deutschsprachige Zeitungen erscheinen noch heute: Die "New Yorker Staats-Zeitung" brachte ihre erste Ausgabe am Weihnachtsabend des Jahres 1834 heraus und ist somit eine der ältesten in den Vereinigten Staaten. Das "Washington Journal", eine deutschsprachige Zeitung, die im District of Columbia herausgegeben wird, ist die äIteste Zeitung der amerikanischen Hauptstadt.
Insgesamt sind die Deutsch-Amerikaner sehr gut integriert und der Gebrauch der deutschen Sprache ist in den USA drastisch zurückgegangen. Nur in einigen Glaubensgemeinschaften wird im täglichen Leben noch Deutsch bzw. ein deutscher Dialekt gesprochen. Für die Amischen der Alten Ordnung, die Mennoniten der Alten Ordnung und die Hutterer ist die Bewahrung der deutschen Sprache Teil der religiösen Überzeugung; sie bildet außerdem ein Schild gegen Einflüsse der modernen Außenwelt.
Was bleibt also von der deutschen Sprache in Amerika? Schließlich und endlich wohl nicht mehr als ein paar Lehnwörter und die Namen. Die Mehrzahl der aus dem Deutschen ins amerikanische Englisch übernommenen Wörter haben mit Essen und Trinken zu tun, z.B. 'sauerkraut', 'hamburger' und 'schnapps'. Aber es sind auch einige dabei, die Zeugnis ablegen von dem deutschen Beitrag zur kulturellen Entwicklung der neuen Heimat: z.B. 'fest' in Wörtern wie 'songfest', und 'kindergarten' für die allgemein eingeführte Vorschule.
Da sich die Deutschen überwiegend in bereits besiedelten Gegenden niederließen, entstanden nicht viele Ortsneugründungen mit deutschem Namen. Durch offizielle Namensänderungen während des Ersten Weltkrieges und durch Eingemeindung wurde die Zahl der deutschen Ortsnamen noch weiter verringert. Viel häufiger sind noch deutsche Familiennamen zu finden, obwohl immer wieder Namen geändert und der englischen Rechtschreibung angepasst wurden. Für viele Amerikaner bilden sie dennoch den ersten und manchmal einzigen Anlass, sich für die Herkunft ihrer Familie zu interessieren.
In Deutschland lernen etwa 6 Millionen Schüler weiterführender Schulen Englisch als Fremdsprache. An amerikanischen Schulen lernen ca. 375.000 Schüler Deutsch; es ist die dritt-populärste Fremdsprache nach Spanish und Französisch. 1997 stellte die deutsche Regierung etwa 3 Millionen Dollar für Projekte zum Deutschunterricht in den USA zur Verfügung. Die Mittel wurden für Lehrerfortbildung, Austauschprojekte, Seminare, die Entwicklung von Lehrmaterialien und für Fremdsprachenwettbewerbe verwendet. An sechs Bildungsministerien in den USA (in California, Georgia, Pennsylvania, Virginia, Washington, und Wisconsin) gibt es 'language consultants' aus Deutschland, die sich speziell um 'Deutsch als Fremdsprache' kümmern. Unterstützt von der deutschen Regierung helfen diese Experten auf bundesstaatlicher und regionaler Ebene dabei, Fremdsprachenkonzepte und einheitliche Standards zu entwickeln.
Das Goethe-Institut Inter Nationes e.V. ist seit Januar 2001 als größte Mittlerorganisation der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik tätig. Hervorgegangen aus der Fusion von Goethe-Institut (gegr. 1951) und Inter Nationes (gegr. 1952) ist dieses neue Institut die weltweit tätige Organisation zur Vermittlung deutscher Sprache und Kultur. Sieben Goethe Institute in den USA führen im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland Kulturprogramme durch, erteilen Sprachunterricht, unterstützen Lehrer, Universitäten und Behörden bei der Förderung der deutschen Sprache und bieten aktuelle Informationen über Deutschland an; an 15 Instituten in Deutschland nehmen jährlich ca. 2.500 amerikanische Teilnehmer an Intensiv Sprachkursen teil.
Das Motto lautet: „Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch.“ Die Europäische Kommission verabschiedet heute ihre allererste Mitteilung zum Thema Mehrsprachigkeit – ein klares Signal für ihr Engagement in dieser Richtung. Das Dokument beleuchtet die verschiedenen Facetten der Sprachenpolitik. Es erläutert die neue Rahmenstrategie der Kommission für die Mehrsprachigkeit und enthält Vorschläge für gezielte Maßnahmen. Letztere decken vor allem drei Bereiche ab, in denen Sprachen für das Alltagsleben der Menschen in der Europäischen Union eine Rolle spielen: in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in den Beziehungen der Kommission zu den Bürgerinnen und Bürgern. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, mit ihr an einem Strang zu ziehen und das Lehren, Lernen und die Verwendung möglichst vieler Sprachen zu fördern. Aus diesem Anlass wurde auf der interinstitutionellen Website EUROPA ein neues Sprachenportal in allen 20 Amtssprachen eingerichtet. Mit den Worten von Ján Figel’, Kommissar für Allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit: „Die Sprache macht uns zu Menschen und die Sprachenvielfalt ist ein zentrales Element europäischer Identität. Genau heute vor einem Jahr wurde ich zum Kommissar ernannt und zwar zum allerersten Europäischen Kommissar, der jemals mit einem eigenständigen Portfolio „Mehrsprachigkeit“ betraut wurde. Die heute verabschiedete Mitteilung signalisiert ganz klar das Engagement der Kommission für die Förderung der Sprachen und der Sprachenvielfalt in der Union.“
Neuenheimer Landstraße 5
D-69120 Heidelberg
Phone +49 6221 72730-15
Fax +49 6221 72730-12
www.x-ls.com