Baselworld 2010 öffnete ihre Pforten
Es ist Frühling in der Stadt an der deutsch-schweizerischen Grenze. Basel, die Stadt, die sich sonst im Dornröschenschlaf befindet, ist seit heute Metropole, wo hunderte Sprachen zu hören sind und die tausende Menschen nicht nur auf der Strassen, sondern auch in den sechs Messehallen in der Rhein-Metropole sich bewegen – dort, wo viele Kostbarkeiten der Schmuck- und Uhrenindustrie zu bewundern sind.
Obwohl der Winter Europa die letzten Monate fest im Griff hatte, schien jetzt die Sonne pünktlich zum Auftakt der grössten Luxusgütermesse der Welt – Baselworld. 3.000 Journalisten sind in die Stadt gekommen, um ihre Lesern in allen Kontinente der Welt über die neue Feinheiten zu berichten.
Vor einem Jahr sah es hier äußerst kritisch aus: Auch das Juwelen- und Uhrenevent stand unter dem Zeichen der Finanzkrise. Man versuchte zwar zum schlechten Spiel eine gute Miene zu machen, der Verkaufsrückgang ließ sich in den Gesichtern ablesen.
René Kamm, Geschäftsführer der CEO MCH Group Schweiz, äußerte sich damals: „Die Wirtschaftskriese hat auch etwas Gutes an sich, indem Übertreibungen der Märkte korrigiert werden, wovon etablierte und solide geführte Marken und Unternehmen letztlich profitieren.“
Kamm war in diesem Jahr schon optimistischer: „Messen sind ein ausgezeichnetes, sehr effektives und effizientes Marketing-Instrument. Auch oder besser: gerade in rezessiven Zeiten lohnt es sich, in dieses Instrument zu investieren. Voraussetzung dafür ist natürlich die richtige Positionierung der Messe. Als konzentrierte, weltweit ausstrahlendes Branchenplattform ist die Baselworld heute für die ausstellenden Firmen ein „muss““.
Seine Aussichten teilte die Leiterin der Baselworld, Sylvie Ritter: „Das über fast das gesamte Jahr 2009 beeinträchtigte wirtschaftliche Umfeld hat negative Folgen für die Uhren- und Schmuckbranche gehabt, hat es aber ermöglicht, dass wir wieder zu einem natürlichen Rhythmus gefunden haben. Die Weisen analysieren das Rücklauf aus ihrer Erfahrung heraus und sagen oft, dass die Starken gestärkt und die Schwachen geschwächt aus einer schwierigen Wirtschaftsphase hervorgehen.“
Luxusindustrie auf der Steilfahrt
Alle Vertreter der Juwelen- und Uhrindustrie brachten bei der Pressekonferenz der Baselworld vom letzten Jahr Hiobsbotschaften vor.
Dr. Gaetano Cavalieri aus Italien zeigte Zahlen, die präsentierten, dass der Export der Schmuck und Uhren aus seinem Heimatland nach Russland mehr als 64 und nach USA 32 Prozent zurück gegangen sind. Überraschend ist dagegen, dass der Export der Luxusprodukte aus Stiefelland nach China um fast 80 Prozent gestiegen sei.
Irgendwie kommt man automatisch auf die Idee, dass es hier vielleicht doch mit illegalen Dingen zu geht. Vor allem, weil Präsident der CIBJO, Dr. Cavalieri betonte, dass gerade aus Italien die Modetrends kommen, die viele zu gerne kopieren.
Plagiate haben aber auf der Baselworld nichts zu suchen, dafür legt der Präsident des Ausstellerbeirats, Jacques J. Duchêne seine Hand ins Feuer. „Wer Nachahmungen hier bei uns zeigen will, fliegt raus“, versichert der Mann mit 55 Jahren Berufserfahrung. Duchêne kann man glauben, weil er schon viel dafür getan hat, dass nicht nur die Falsifikate (Fachbegriff für Fälschungen) geahndet werden, sondern auch die Betrüger hinter Gitter kommen.
Auch für die Schweizer war das Jahr 2009 schlecht. Ihr Uhrenexport ging um 22,3 Prozent zurück. Den Deutschen ging es auch nicht besser: laut Alfred Scheider aus dem Deutschen Bundesverband fiel der Export um mehr als 20 Prozent.
Im neuen Frühling konnten die Vertreter der Luxusindustrie schon leichte Verkaufssteigerungen verkünden. So hat im Januar der Export von Juwelen und Chronometern aus Hongkong 16 Prozent zugenommen, erzählte Lore Buscher, welche in Europa die chinesische Metropole vertritt. Dagegen stiegen bei den Europäern die Verkäufe um zwei bis drei Prozent.
Etwas Licht am Ende des Tunnels
Seit Jahrtausenden ist die Rolle des Schmucks, darunter auch der Uhren, unveränderlich geblieben. Schmuck und Chronometer ziehen seit Anbeginn der Zeit Aufmerksamkeit auf sich, sind Statussymbole und bewegen die Menschen. Juwelen waren in allen Kulturen etwas Bedeutendes und diese Konstante in der Geschichte der Menschheit hat auch im 21. Jahrhundert keineswegs an Kraft verloren. De facto, so Ritter, ist die diesjährige Baselworld komplett ausgebucht und die Zahl der Aussteller ist, wie seit mehreren Jahren, unverändert. Zahlreiche Käufer und Aussteller haben aus wirtschaftlichen Gründen entschieden dieses Jahr an weniger Veranstaltungen als bisher teilzunehmen. Sie haben sich ausschließlich auf die Baselworld konzentriert.
„Die letzten Jahre waren wir voll Euphorie. Heute sind wir ungefähr wieder auf dem Stand von 2006. Nutzen wir diese Übergangsphase. Sie ist auch zweifelsohne eine Epoche der Herausforderungen für die Unternehmen, was natürlich eine stimulierende Wirkung hat und jeden von uns und Sie alle weiterbringt“, ermutigte Duchêne die Teilnehmer der Baselworld.
Einige erste Impressionen
Auf dem Pressetag trafen wir einige Aussteller. Aslan Guriev aus Vladikavkaz (Russland) ist nicht zum ersten Mal in Basel. In diesem Jahr jedoch hat er mit seiner wachsenden Firma Guriaty für die Kostbarkeiten einen repräsentativeren Platz in Halle 2 gefunden.
Seine Mitarbeiter waren noch fleissig beim Aufbau. Der Chef selbst verfolgte das alles gut gelaunt – von Krise keine Spur.
Auch seine italienische Messenachbarn – Massimo Mantelli „New Italian Art Jewelellers“ freute sich auf das Event und äußerte sich positiv: „Obwohl wir auch in den letzten Jahren starke Exportverluste, vor allem nach Russland, in Kauf nehmen mussten, sehen wir die Zukunft sehr positiv. Die Kollektion der Firma ist groß und bunt – man zeigt halt was man hat.
So auch bei der Firma Grimoldi aus Mailand – farbige freche Uhren sind vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber strahlen ohne Zweifel gute Laune und Optimismus aus. Und gerade das braucht jetzt auch die Juwelen- und Uhrenbranche.
21.03.2010
http://www.baltische-rundschau.eu/2010/03/21/baselworld-2010-offnete-ihre-pforten/






